Schwarzsehen


 

Schwarz

Die Hoffnung friert,
die Hoffnung stirbt,
ein Schritt weiter,
immer steiler,
das Ziel so fern,
nur schwarzer Schmerz.
Ich sehe Schwarz,
verbranntes Gras.

Die Sicht verklärt,
die Sicht versperrt,
naher Horizont,
Dunst an der Front,
kein Sonnenstrahl,
nur schwarzer Stahl.
Ich sehe Schwarz,
durch schwarzes Glas.

Ich sehe Schwarz.
Ich sehe Schwarz.
Schwarz, schwarz - schwarz!

Raben am Brett,
Raben am Bett,
Ende so nah,
der Tod schon da,
kein Leben mehr,
nur schwarzes Meer.
Ich sehe Schwarz,
mein dunkles Grab.

Ich sehe Schwarz.
Ich sehe Schwarz.
Schwarz, schwarz - schwarz!

 

Schwarzsehen! Wie oft sehen wir Menschen schwarz? Nie? Selten? Nein, ständig, auch wenn es sich die meisten nicht eingestehen wollen.
Häufig sehen wir keinen, scheinen vor die Wand zu rennen, vor dem nächsten Zug zu landen. Meist sind es Kleinigkeiten, doch manchmal gibt es auch andere Ursachen.
Manchmal verlieren wir die Hoffnung, jeder Schritt Richtung Ziel, den wir machen, wird zur Höllenqual, jeder Weg scheint zu steil und unendlich weit und jeder fröhlicher Sonnenstrahl wird zum lästigen Parasiten. Dann sehen wir schwarz. Abbruch, kein weiterer Schritt, alle Hoffnung ist verschwunden,  das grüne Gras wurde zur schwarzen Wüste.
Manchmal verklärt sich unserer Blick, wir sehen die Welt durch einen Schleier, durch verkohltes Glas. Alles was einst so schön war, die "heile" Welt wird dunkel und man kommt an in der Wirklichkeit, in der Wahrheit, die man nicht wahrhaben will. Man fängt an zu leiden, zu weinen und sterben zu wollen...
...manchmal nimmt man dann das Messer in die Hand, stürzt sich von der nächsten Brücke, rennt vor die Wand oder landet vor dem nächsten Zug und dann...
...wacht man manchmal auf und sieht schwarz, weil die Erde über einen die Sicht versperrt. Dann waren die Raben da und der Tod hat einen geholt.

 

 

13.3.07 14:51

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


instamina / Website (18.3.07 19:04)
gefällt mir dein blog
ist immer wieder intressant was du schreibst!
gib uns mehr davon!
weiter so


Philipp / Website (31.3.07 12:02)
Hi Glöckchen,

interessantes Gedicht und vor allem kann ich es voll und ganz nachvollziehen. Das Gefühl der Resignation, ein Schritt vor und zwei zurück. Keine Chance, hier jemals auszubrechen, in Ketten gelegt ein Leben lang. Erdrückt von dem Gewicht der Trauer und der Zweifel. Aber dennoch ist es wichtig, die Hoffnung nie aufzugeben. Am Ende des Tunnels brennt ein Licht und in mir ein kleines Feuer. Beides mag von Zeit zu Zeit schwach werden und fast erlischen, aber keines der beiden wird jemals sterben.
Und solange noch ein Funken brennt, gilt es, weiterhin vorwärts zu schreiten, auch wenn es weh tut. Trauer ist glaube ich ein wichtiges Gefühl. Und wenn wir alle über das selbe traurig sind, können wir vielleicht eines Tages zusammen wütend werden.

liebe Grüße
Philipp

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